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   Leben mit MS
Die gesicherte Diagnose einer MS ist für die meisten Betroffenen zunächst ein Schock. Eine Welt bricht zusammen, alle Zukunftspläne scheinen in weite Ferne gerückt. Die Visionen sind düster, Angst breitet sich aus.

In dieser Situation der vermeintlichen Auswegslosigkeit brauchen Sie dringend Menschen, die zu Ihnen halten und Ihnen Mut zusprechen. Aufkeimender Hoffnungslosigkeit muß mit allen verfügbaren Mitteln begegnet werden.

Zumal es eine ganz solide Basis für Hoffnung gibt:
Ein Teil der MS-Patienten hat das Glück eines günstigen Verlaufes. Das heißt, es liegt in diesen Fällen
zwar eine klare Diagnose vor, jedoch werden diese Patienten ohne nennenswerte Ausfälle alt, können also trotz MS nahezu gänzlich ihr gewohntes Leben fortführen.
Der übergroße Teil der Patienten hat mindestens in den ersten Krankheitsjahren oder auch
–jahrzehnten einen schubförmigen Verlauf. Das heißt, auf kurze Phasen der Krankheitsaktivität folgen längere oder lange Phasen der spontanen Krankheitsruhe. Schübe lassen sich in der Regel hocheffizient behandeln, evtl. verbleibende Ausfälle sind durch entsprechende Therapien gut kontrollierbar.
Dem schubförmigen Stadium folgt häufig der chronische Verlauf der Erkrankung. Beiden Verlaufsformen
kann mit der Komplexen Ernährungs- und Stoffwechseltherapie realistisch begegnet werden. Bei der Mehrzahl der Patienten gelingt es, den Verlauf zu stoppen und ein weiteres Fortschreiten der MS zu verhindern. Bei etwa der Hälfte der Patienten werden sogar dauerhafte Verbesserungen erzielt, die mitunter "bescheiden", nicht selten auch spektakulär bis unglaublich erscheinen.
Die Erkenntnisse der Molekularbiologie eröffnen buchstäblich neue Horizonte, auch im Wissen über die
MS. So zeichnen sich in der "Schulmedizin" Therapien ab, die in wenigen Jahren für die klinische Anwendung zur Verfügung stehen werden.
Die wissenschaftlich anerkannten Therapien mit Interferon, Copolymer oder Immunglobulinen können
wenigstens teilweise eine Krankheitsverzögerung begünstigen.
Die Behandlung der MS wird in den nächsten Jahren neue Dimensionen erfahren und damit allen Patienten Anlaß zu berechtigter Hoffnung geben.
               
Der Patient und sein Arzt

Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist das Vertrauen. Dies gilt in ganz besonderem Maße für das Arzt-Patienten-Verhältnis. Der Arzt sollte mit der Diagnose sensibel umgehen und sie dem Patienten erst dann mitteilen, wenn sie nachhaltig gesichert ist.

Dann jedoch sollte der Patient alle Information erhalten, die verfügbar sind. Denn je besser und umfassender er aufgeklärt ist, desto weniger Angst wird er leiden. Das Ansinnen des Arztes sollte auf Partnerschaft gerichtet sein und motivieren.

Der Arzt Ihres Vertrauens ist nicht immer leicht zu finden. Deshalb sollten Sie bei der Suche nicht vorschnell resignieren. Denn fachkompetente Beratung ist jetzt ebenso wichtig wie die gleichzeitige menschliche Zuwendung. Eines sollten Sie jedoch nie dabei vergessen: Auch ein Arzt ist „nur“ ein Mensch und kann keine Wunder vollbringen! Er ist auf Ihre Mitarbeit ganz dringend angewiesen.

               
Umfeld: Familie und Beruf

Diese Bereiche sind von unermesslichem Wert für die Krankheitsbewältigung und von enormer Bedeutung für die Krankheitsentwicklung. Das positive Umfeld hilft viel, das negative schadet jedoch um so mehr. Die Familie wird möglicherweise lernen müssen, auf Ihre Einschränkungen Rücksicht zu nehmen. Sie wiederum sollten sich jedoch davor hüten, die Familie mit Ihrer Krankheit zu tyrannisieren. Sie sollten sich über Zuwendung und Liebe freuen und Ihren Mitmenschen nicht mit falschem Misstrauen begegnen.

Der Familienplanung muß die MS nicht zwingend im Wege stehen. Die Erkrankung basiert zwar auf einer erblichen Veranlagung, jedoch ist der Anteil der erblichen Belastung an der Krankheitsentwicklung eher gering. So ist das Risiko, daß Ihre Kinder auch an MS erkranken, nur unbedeutend größer als es dies für gesunde Elternpaare ist.

MS-Patientinnen mit sehr hoher Schubaktivität bzw. sehr instabiler Krankheitssituation ist jedoch vernünftigerweise von einer Schwangerschaft abzuraten.
Extreme und vor allem dauerhafte Stresssituationen sollten im Privat- wie im Berufsleben vermieden werden. Falls Ihre Kollegen über Ihre Krankheitssituation informiert sind, sollten Sie nicht versuchen, durch 150%ige Leistung Ihre Vollwertigkeit zu beweisen. Denn Sie müssen mit Ihren Reserven sparsamer umgehen als andere.

               
MS und Fitness

Sofern Sie keine Einschränkungen in Bewegungsfunktionen verspüren, unterscheiden Sie sich in Ihrem Bewegungsbedarf in keiner Weise von dem Ihrer Mitmenschen. Treiben Sie also Sport, solange es Spaß macht und Ihnen guttut. Einzig Ihre körperliche Fitness entscheidet über das Maß der Belastung.

Besonders empfehlenswert sind Sportarten, die nicht nur die Muskelkraft erhöhen, sondern auch das Gleichgewicht trainieren und den Kreislauf konditionieren wie z.B. Fahrradfahren, Schwimmen etc.. Erschöpfungszustände, die lange Regenerationsphasen nach sich ziehen, sollten Sie aber in jedem Fall vermeiden.
Sollten Ihre Bewegungsfunktionen bereits eingeschränkt sein, so nutzen Sie den verfügbaren Spielraum. Hierbei sind Physiotherapie und Krankengymnastik hilfreich und nützlich. Doch auch hier sollten Sie selbst über das Maß Ihrer Belastung entscheiden und sich nicht alleinig von den eventuell überzogenen Ansprüchen des Therapeuten leiten lassen.
               
Seelisches Gleichgewicht

Optimismus bewahren ist für Sie oberstes Gebot, auch wenn es zunächst schwerzufallen scheint. Denken Sie nicht ständig an Ihre Krankheit. Suchen Sie sich – kleine oder große – Ereignisse, auf die Sie sich freuen und auf die Sie hinarbeiten. Wichtig ist, daß Sie sich nicht von Ihren Mitmenschen isolieren, sondern offen und möglichst unbeschwert mit ihnen umgehen.

Nehmen Sie teil am gesellschaftlichen Leben. Möglicherweise entfernen sich bisher "gute Freunde" von Ihnen. So etwas tut weh, aber Sie werden neue Freunde finden, die Sie so mögen, wie Sie jetzt sind, und nicht wie Sie waren. Für viele Betroffene sind auch Selbsthilfegruppen eine gute Möglichkeit, Kontakt und ehrliche Hilfe zu finden.

MS-Patienten müssen lernen, sich zu entspannen. Dies ist ein Lernprozess, der u.U. Jahre in Anspruch nehmen kann. Dabei können sog. Entspannungstherapien wie z.B. Autogenes Training, Yoga etc. Hilfestellung leisten. Nutzen Sie Ihren Urlaub zur Entspannung, wobei Sie extreme klimatische Belastungen meiden sollten. Wählen Sie gemässigte Klimazonen. Denn auch hier gilt letztlich, unnötigen Stress zu vermeiden.
               
Allgemeine Tipps

Ein ausreichender Impfschutz ist für jeden Menschen wichtig. Dennoch sollten die Risiken, die Impfungen für einen MS-Patienten in Phasen der Krankheitsaktivität oder während immunsuppressiver Therapien mit sich bringen könnten, gut gegeneinander abgewogen werden.

Ein viel diskutiertes Thema sind Schwermetallbelastungen, in diesem Zusammenhang speziell das buchstäblich in aller Munde befindliche Amalgam. Schwermetallvergiftungen können das Nervensystem beschädigen, sowohl an der Myelinscheide als auch an den Nervenfasern.

Da Amalgam jedoch nicht zwangsläufig eine Gefährdung hervorrufen muß mit all den z.T. kostspieligen Folgemassnahmen einer Gebißsanierung, ist eine Untersuchung einer solchen Schwermetallbelastung in jedem Fall ratsam.

Sollte eine Entfernung der Amalgamplomben notwendig sein, sollten Sie mit Ihrem Zahnarzt über das definitiv belastungsärmste Ersatzmaterial sprechen.

Dagegen zwingend ist jedoch die Sanierung chronischer Entzündungsherde, da dies das Fortschreiten der MS in jedem Fall beschleunigen kann.

Betrachten Sie die vorstehenden Tipps bitte wirklich nur als Tipps und keinesfalls als Maßregelung. Wenn Sie manch kleine Vorsichtsmssßnahme praktizieren, wird Ihnen möglicherweise manch grössere Einschränkung erspart bleiben.
                    
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